Filmkritik: (Not) Swinging with the Finkels

https://i2.wp.com/ecx.images-amazon.com/images/I/81ooC6MWXQL._AA1500_.jpg

Eine romantische Komödie, die Swingen thematisiert? Gut, heute braucht die Filmindustrie immer neue Themen. Aber wenn man bei einem Hollywoodstreifen ein Loblied auf ein promiskes Liebesleben erwartet, kann nur enttäuscht werden. Wird man auch. Denn in „Swinging with the Finkels“ geht es nicht ums Swingen. Es geht um eine stereotype Beziehung, die bereits zu Beginn des Films eingeschlafen ist, nach dem typischen Spannungsmuster eskaliert und am Ende, nach dem Beheben einiger Kommunikationsmängel, wieder glücklich ist. Nur, dass die Eskalation eben ausnahmsweise mal durchs Swingen verursacht wird. Das verspricht jedenfalls der Trailer.

Aber von vorne: Alvin und Ellie sind seit 9 Jahren ein Paar. Ihnen geht es, wie es einem in Ehe nun mal zu gehen hat: im Bett herrscht tote Hose. Da hilft es auch nicht, dass sie trotz anfänglicher Prüderie das Masturbieren mit einer Gurke probiert. Kein Wunder, dass dieser Versuch das Sexleben nicht wiederbelebt, wenn ein Film es sich nach „Nicht noch ein Teenie-Film“ noch traut, die (Groß)eltern just in dem Moment das Zimmer betreten zu lassen, in dem der Dildo(ersatz) in großem Bogen zwischen ihren Beinen herausschießt. Wenn Rollenspiele im Feuerwehranzug dann auch nicht mehr helfen, hat man zum Glück ja einen Klischee schwulen besten Designerfreund, der einem „Tauschies“ vorschlägt- so heißt Swingen auf schwul. Weil alle Stricke zu reißen scheinen, denkt Ellie ernsthaft darüber nach, ihre Ehe mit solchen „Tauschies“ zu retten.
Alvin quatsch indes mit seinem besten Freund über die Kirschen in Nachbars Garten, und möchte mal eine Pflaume probieren statt Jahrein- Jahraus immer nur Bananen zu vögeln essen. Na dann schnell einmal ein paar Klischee-Swingerpärchen aufs Sofa eingeladen: Das ältere FKK-Pärchen, die Domina in Lack und Leder mit ihrem übergewichtigen Hündchen das bestraft werden muss, die voluminöse dominante Dame mit ihrem schlanken Freund, irgendein Fetisch der als abstoßend dargestellt werden kann, und… das Pärchen, das auch gerne Jaffa Kekse isst. Perfekt! Let’s swing!

Weiterlesen

Advertisements

Zerophilia- heute er, morgen sie.

zerophiliathemovie.com

Dem Film „Zerophilia“ , den ich in diesem Beitrag diskutieren möchte, liegt ein interessantes Konzept zugrunde: Wegen eines dritten Geschlechtschromosom, dem „z“ Chromosom, das durch seine Entjungferung aktiviert wurde, ändert der Jugendliche Luc sein Geschlecht. Zunächst langsam, bei Erregung, bis er schließlich komplett ein Mädchen ist. Luc hat stark mit seiner schwindenden Männlichkeit und seiner zunehmenden Feminisierung zu kämpfen. Und das, wo er sich doch gerade in Michelle verliebt hat! Als sein weibliches Alter Ego, Lucca, fühlt er sich jedoch stark zu Michelles Bruder Max hingezogen. Zum Glück erhält er Hilfe von seinem besten Freund und dessen Freundin, sowie von Sydney, einer Doktorin.

Dieser Plot, der im Netz gerne als „Teenie Slash Horrorfilm“ charakterisiert wird, könnte sehr leicht sehr trashig werden. Herausragend realisiert ist der Film auch kaum zu nennen, und er zieht nicht das aus dem Konzept, was er hätte werden können: ein Genderbendingfilm, der unsere Konzepte von Geschlechtsidentitäten komplett über den Haufen wirft. Dennoch weist er viele sehr gelungene Aspekte auf. Beide Seiten möchte ich im Folgenden diskutieren, und dabei auch das Ende des Films berücksichtigen. Also spoiler alert! Schaut euch vielleicht erst den Film an, und lest dann auf der nächsten Seite weiter!

Weiterlesen

[Bones 3×03 ] 3. Das Pony in der Bibel (Booth argumentiert)

Bones Logo

Dies ist Teil 3 der Serie Bones 3×03: A horse named Ed.
Es empfiehlt sich, die Serie chronologisch zu lesen.
[Spoiler alert!]

Booth und Bones Expertengebiete sind räumlich getrennt. Sie dominiert im Jeffersonian und bei Tatorten, er normalerweise bei Ermittlungen und in der Zeugenbefragung. Jeder hat ein Bereich, in dem sein Wort mehr Bedeutung hat. Das Auto ist jedoch der Ort, an dem beide sich auf gleichem Grund begegnen. Hier führen sie, häufig ausgehend von ihren Ermittlungen, hitzige Debatten über ihre Weltanschauungen. Wie gut, dass Booth wie jeder gute amerikanische Autofahrer eigentlich fast nicht auf die Straße gucken muss.

Thema der heutigen Autofahrt ist die Historie von Pony Play. Bones erzählt Booth, dass Pony Play keine moderne Erfindung ist, sondern geschichtlich verankert ist. Booth reagiert wie folgt:
Weiterlesen

Rezension: Die Lust am Fesseln

(Bild Quelle)

Ich empfahl bereits die ZDF Dokumentation „Die Lust am Fesseln“ mit dem Versprechen, dass eine Rezension folgen wird. Hier ist sie nun.

Ich bin kein großer Fan von Cornelia Jönssons Büchern. Klar gibt es weitaus schlechtere Autoren auf dem (BDSM) Buchmarkt, aber vorallem mit ihrer Lobdudelei auf ihre Lebensweise kann ich einfach nichts anfangen.

Im Interview in der Dokumenation „Die Lust am Fesseln“ war ich jedoch von ihr begeistert. In nur 5 Minuten gelingt es ihr und den Machern des Filmchens einen guten Einblick in das zu geben, was hinter Schlagworten wie „Sadomasochismus“ und „Schmerz“ steht. Einen gefühlvollen Einblick, offen für das Konzept, und weitaus besser als in den meisten Dokus und Artikeln, die ich in letzter Zeit gesehen und gelesen habe.

Weiterlesen

[Bones 3×03 ] 2. Das Pony in Uns (Bones argumentiert)

Bones Logo

Dies ist Teil 2 der Serie Bones 3×03: A horse named Ed.
Es empfiehlt sich, die Serie chronologisch zu lesen.
[Spoiler alert!]

Bones tritt wie erwähnt als Spezialistin in diesem Sachgebiet auf, sie bildet die Instanz, die zwischen dem Sachgebiet „Pony Play“ und Booth bzw. dem Rezipienten vermittelt. Ihre Erklärungen für das Sachgebiet sind jedoch recht ambivalent. Darum möchte ich in diesem Kapitel die Höhen und Tiefen ihrer Argumentation darlegen.
Weiterlesen

[Bones 3×03 ] 1. Ein Fetisch namens Pony Play

Bones Logo

Dies ist Teil 1 der Serie Bones 3×03: A horse named Ed.
Es empfiehlt sich, die Serie chronologisch zu lesen.
[Spoiler alert!]

Eine Leiche wird gefunden, männlich, mit abgetrennten Füßen. Die Ergebnisse der Obduktion und weitere Recherchen zeigen, dass es sich um Ed, ein menschliches Pony handelte, der diese Seite seiner Persönlichkeit mit seiner Besitzerin wochenends auf einer Farm auslebt, während seine Frau von nichts ahnt. Die „Convention“ ist noch im vollem Gange als die Ermittlungen einsetzen, und so erhaschen wir mit Booth und Bones einen Einblick in das Ausleben seiner Vorlieben. Bones erklärt Booth das Geschehen:
Weiterlesen

[Bones 3×03 ] A horse named Ed

Bones Logo

„Der Fall der gerittenen Leiche“ ist der merkwürdig anmutende deutsche Titel der Folge, der Originaltitel ist „Death in the saddle“. Es ist die Folge von Bones, die in mir vor über zwei Jahren das Bedürfnis nach einem Blog weckte. Ein Projekt, das seitdem halb fertig in meiner virtuellen Schublade lag, und endlich nahezu abgeschlossen ist.

Thema der Folge ist Pony Play. Kein Thema, das mich an sich interessiert, das mich jedoch aufhorchen lies. Wie wurde das Thema umgesetzt? Was für ein Blick auf Pony Play wird dem Zuschauer geboten? Wird eine Wertung vorgenommen?
Wie gesagt: für mich war diese Folge diskussionswürdig. Vor allem, da sich die Argumentationsstruktur auf den Diskurs von „Devianzen“ im Allgemeinen übertragen lässt.
Als Grundlage der Diskussion möchte ich euch Zusammenfassungen und Wortprotokolle bieten, damit meine Bezüge klar sind. Das bedeutet jedoch auch, dass diese Beiträge ein einziger Spoiler sind. Und etwas lang, deshalb habe ich meine Untersuchung der Bonesfolge in sechs Kapitel unterteilt.

1. Ein Fetisch namens Ponyplay
2. Das Pony in Uns -Bones argumentiert
3. Das Pony in der Bibel – Booth argumentiert
4. “Not satisfied by love alone” – Fetisch und Emotionen
5. “A horse is a horse”? – Menschlichkeit und Perversion
6. „Crappy Sex“ and „The Real Thing™“ – Wie man ohne Argumente eine Diskussion gewinnt

Wie gesagt, Pony Play ist alles andere als mein Spezialgebiet. Umso mehr freue ich mich über Kommentare, wo ich meine Lücken habe.


Und eine Hintergrundinfo am Rande:
In dieser Folge gibt es eine Vielzahl von Anspielungen auf eine Serie, die im deutschsprachigen Raum heute nicht mehr präsent ist: Mr Ed, eine US- amerikanische Serie aus den 60ern. Hier kann man in das Intro hineinhören, aus dem wiederholt zitiert wird:„a horse is a horse, of course, of course“

Da meine Beiträge wie gesagt ein einziger Spoiler sind, empfehle ich bei Interesse die Folge zunächst einmal selbst zu schauen. Viel Spaß dabei!