Was denkt das Internet über BDSM?

Was denkt das Internet über BDSM/Sadomasochismus? Eine interessante Frage, der man alleine aufgrund der Datenmenge als Mensch schwer nachkommen kann. Also müssen Programme her, deren Algorithmen diese Sisyphusarbeit übernehmen. Seit einiger Zeit gibt es genau ein solches Programm: www.whatdoestheinternetthink.net . Als User muss man nur einen Suchbegriff eingeben, und schon spuckt einem das Programm aus, ob dieser Suchbegiff eher positiv, eher negativ oder in unklaren Kontexten erscheint. Noch funktioniert das Ganze nur auf Englisch, also habe ich es mit den Begriffen „Sadomasochism“ und „BDSM“ probiert- wiederholt. Meine erste Suchanfrage war im April 2012, meine zweite ein gutes halbes Jahr später im November.

whatdoestheinternetthink

Man sieht, dass sich einige Änderungen eingeschlichen haben. Vor einem halben Jahr habe das Internet nur positiv über „Sadomasochismus“ gedacht, inzwischen ist es leicht negativer geworden, hingegen wurde „BDSM“ vom Internet auch vor einem halben Jahr sehr zwiespältig gesehen, mit einer Tendenz ins Negative, nun jedoch im Vergleich etwas positiver. Sieht doch eigentlich gar nicht so schlecht aus – aber was sagt uns das eigentlich?

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50 Shades of Parody: Das Buch

Oder: wie NSFW das Internet trollte.

„This is a test: Is is possible, that a terrible written book that makes no sense but has just has a lot of banging might just win the heart of lonely housewifes everywhere?“

Ok. Ich erkläre es euch: Über Monate hinweg ist „Fifty Shades of Grey“ auf den ersten drei Plätzen der Verkaufscharts. Und der Rest? Bücher, die auf der Modewelle mitschwimmen. Ähnliche Cover, viel Sex, komische Berufe. NSFW haben eine Gruppe von Leuten eine 30 seitige, unzusammenhängende Story mit viel Sex zusammenschreiben lassen, es für $0.99 Cent als Ebook eingestellt, und das Internet drauf losgelassen. Mit dem Ergebnis, dass andere sich von den herausragenden Verkaufszahlen haben begeistern.

Eine Debatte über diese Trollaktion findet sich übrigens in den Kommentaren der Negativbewertungen auf Amazon. Ich finde es faszinierend, was für eine ausufernde Diskussion sich in den Kommentaren verstecken kann.

Ich fand die Aktion lustig. Der Spaß war mir definitiv den einen Euro beim deutschen Amazon wert. Leider ist die Aktion hier in Deutschland nicht wirklich bekannt geworden.

50 Shades of Parody: Youtube

Am interssantesten an der „Shades of Grey“ Modewelle sind die Parodien, die sie hervorgebracht hat.  Obwohl das Original bereits eine hervorragende Quelle für abendliches Amüsement im Freundeskreis sein kann, übertreffen die Parodien das Original um Längen.  Vorallem die Vielfalt finde ich faszinierend. Ob Youtubevideo, Musical, Twitter, Kickstarter…. überall wird parodiert.

Eine gute Zusammenfassung der ganzen Story bietet der Folgeroman „Fifty Shades of Mom Porn“:

Ebenfalls sehr schön ist „Fifty Shades of Grey- the Musical“, in welchem eine begeisterte Leserin, eine Haterin und ein heimlich Lesender zu Worte kommen. Die Produzenten des Musicals haben das Buch übrigens nicht gelesen, sondern kommentieren wirklich nur die ganze Diskussion drumherum.

„Fifty Shades of Gay“  nimmt die Interviewszene („Oh mein Gott habe ich ihn wirklich gefragt ob er schwul ist???!!!!11111) und den Edward Grey auf die Schippe.

„Fifty Shades of Gary“  parodiert die Qualität der Story und der Sprache. Am Anfang mag das Video etwas seltsam wirken- die Auszüge sind jedoch wirklich zum Schießen. Garys und Pamelas Sexescapaden treffen den Ton des Originals auf den Punkt 😉

„Fifty Shades of Blue“ ist eine gereimte Triologie mit animierten Bildern unterlegt…. Wenn ich es den Kommentaren richtig entnehme wurden das Ganze inzwischen als Kindle Ebook veröffentlicht.

Und abschließend eine Anleitung, wie man ein so hervorragendes Buch wie Fifty Shades of Grey schreiben kann 😉

Spank your Way through History

Spanking Machine
„(1830)Von all diesen unterschiedlichen Moden an Bestrafungsmethoden ist Auspeitschen die am häufigsten benutzte; aber im Peitschen ist noch nicht einmal die Qualität der Instrumente vom Gesetz vorgeschrieben: Die Menge an Kraft die angebracht wird liegt ganz in dem Ermessen des Bestrafers. Er macht die Bestrafung so unbedeutend oder schwerwiegend wie es ihm gefällt. (…)
Die folgende Vorrichtung würde, in Maßen, dieser Ungerechtigkeit vorbeugen: Eine Maschine könnte gebaut werden, welche  bestimmte elastische Rohrstöcker oder Walknochen in Bewegung setzen könnte, und die Zahl und Größe wäre vom Gesetz vorgeschrieben: Der Körper des Delinquenten und wäre vielleicht beansprucht von den Schlägen der Stöcke, und die Kraft und Geschwindigkeit, mit welcher die Schläge angebracht werden, könnten vom Gericht vorgeschrieben werden, sodass alles Willkürliche entfernt wäre. Ein Beamter mit einem verantwortungsbewussteren Charakter als der normale Bestrafer könnte über diese Bestrafung walten; und wenn es mehrere Delinquenten gäbe, die bestraft werden müssten, könnte er Zeit sparen und der Terror der Szene verstärkt werden, ohne das tatsächliche Leiden zu erhöhen, indem man die Zahl der Maschinen erhöht, und alle Missetäter zur selben Zeit bestraft. (Quelle- Übersetzung von mir)


Spankingmaschinen sind vielleicht niemals historische Realität geworden- haben die Fantasien der Menschen jedoch bereits seit mehreren Jahrhunderten beflügelt. Es sind Zeichnungen und detaillierte Beschreibungen überliefert, die auf www.corpun.com zusammengetragen wurden, vom 1830 bis heute.

Spanking Maschine 2Auf das Thema brachte mich diese Zeichnung. Sie stammt etwa aus den 30er Jahren und ist mit einer Erklärung versehen: Jungs sollten ihre Kraft beweisen, indem sie an den Griffen zogen und sich selbst einen Schlag und Elektroschocks verpassten… Fehlkonstruktion. Ich hätte es eher umgekehrt gemacht: Wenn er die Gewichte sinken lässt, erhält er den Schlag und Elektroschocks so lange, bis er die Gewichte wieder hochgehoben hat… aber zumindestens das Paddel sei abnehmbar und separat zur Bestrafung benutzbar 😉
Irgendwie reizvoll die Idee, und faszinierend, auf welch unterschiedliche Weise sie umgesetzt werden kann. Mich fasziniert die Unnachgiebigkeit der Maschine und ihre Möglichkeit, zahlreiche Leute zugleich oder nacheinander zu bestrafen. Die Idee hinter den Maschinen ist – wenig überraschend – natürlich ein anderer: Gerechtigkeit. Durch eine unbestechliche Maschine würde ein jeder Straftäter genau die vom Gesetz vorgesehene Bestrafung erhalten, die sonst im Ermessen des Ausführenden und im Geldbeutel des Angeklagten lag. Das kritisierte jedenfalls die oben zitierte Quelle.

Ab den 1870ern liegen hautsächlich satirische Darstellungen von Spankingmaschinen vor, mit ironischen Namen versehen wie „The gentle persuader“. Umso faszinierender ist es, dass in den 1970er Jahren in Deutschland wirklich jemand ein Patent auf eine Spanking Maschine anmeldete, und es wie 1830 als humanes Bestrafungsinstrument für junge Delinquenten vorschlug. 2000 Stück sollten für Westdeutschland erst einmal reichen, überlegte der Erfinder. Die BRD war wohl anderer Meinung.

Zwischen dem Vorschlägen von 1830 und 1970 gibt es einen großen Unterschied: den Effekt, den die Maschinen auf den Delinquenten hätte. 1930 wird die Spankingmaschine vorgeschlagen, damit „der Terror der Szene verstärkt werden [kann], ohne das tatsächliche Leiden zu erhöhen, indem man die Zahl der Maschinen erhöht, und alle Missetäter zur selben Zeit bestraft“ Die Massenbestrafung, unter den Augen eines Bestrafers, sollten den psychischen Druck auf den Delinquenten erhöhen.
1970 wird jedoch erwartet, dass „All dies automatisch passiert. Niemand anders ist im Raum anwesend, sodass kein Risiko für Grausamkeiten und Erniedrigungen vorliegt.“ Die Spankingmaschine sollte den psychischen Druck also vermindern.

Denn neben dem Kopfkino sind es interessante historische Entwicklungen, die sich da abzeichnen. Sollte jemand ein Buch zu dem Thema kennen: immer her mit den Empfehlungen!

Linktipp: Kink resources

Ich konzentriere mich in diesem Blog eher auf fiktionale Darstellungen von BDSM. Im Folgenden möchte ich euch einen Blog vorstellen, der eine umfangreiche Sammlung von Sachtexten über alle möglichen kinky Themen enthält:

http://ranai.wordpress.com/kink-resources/

Das besondere: die Liste umfasst Artikel, Bücher und Webseiten in insgesamt 23 Sprachen! Deutsche Texte sind ebenso darunter wie Hebräische, Finnische und Türkische. Da aber die wenigsten von uns Indonesisch oder Japanisch können, ist es zu unserem Glück, dass die vor allem die Englischen Texte einen großen Anteil ausmachen. Zusätzlich gibt es eine Kategorie für fiktionale Texte.

Viel Spaß beim Stöbern 🙂

Linktipp: Male Submissive Art

Submissive Man

Bilder von submissiven Männern sind rar. Das fällt uns vielleicht gar nicht so auf, weil wir es gewohnt sind, auf allen Seiten halbnackte Mädels zu finden. Und Mädels schauen in der Regel auf Fotos der Werbung submissiv. Indirekter Blick, in sich gekehrt, berühren ihren Körper. Männer sind mit einem direkteren Blick in die Kamera abgebildet. Gedanklich angwesend. Dominant. Bilder von submissiven Männern brechen mit diesen Sehgewohnheiten. In den letzten Jahrzehnten wurde zwar mit diesen Grenzen gespielt, nicht zu letzt weil schwule Medien öffentlich wurden, die langsam die Grenze erweichten, dennoch muss es sich meistens noch die Waage halten: wird ein Mann mit sinnlich in sich gekehrten Gesicht gezeicht, so muss ein Bart, ein muskelgestählter Oberkörper oder aber eine dominante Situation gezeigt werden.

Wer einmal versucht hat, vernünftige Bilder von submissiven Männern im Netz zu finden, wird lange gesucht haben. Es ist schwierig. Umso mehr habe ich mich gefreut, einen tumblr zu finden, der sich auf genau dieses Thema konzentriert:

http://malesubmissionart.com

Das Archiv ist inzwischen recht umfangreich.

Ich mags.

(Bildquelle)