Was denkt das Internet über BDSM?

Was denkt das Internet über BDSM/Sadomasochismus? Eine interessante Frage, der man alleine aufgrund der Datenmenge als Mensch schwer nachkommen kann. Also müssen Programme her, deren Algorithmen diese Sisyphusarbeit übernehmen. Seit einiger Zeit gibt es genau ein solches Programm: www.whatdoestheinternetthink.net . Als User muss man nur einen Suchbegriff eingeben, und schon spuckt einem das Programm aus, ob dieser Suchbegiff eher positiv, eher negativ oder in unklaren Kontexten erscheint. Noch funktioniert das Ganze nur auf Englisch, also habe ich es mit den Begriffen „Sadomasochism“ und „BDSM“ probiert- wiederholt. Meine erste Suchanfrage war im April 2012, meine zweite ein gutes halbes Jahr später im November.

whatdoestheinternetthink

Man sieht, dass sich einige Änderungen eingeschlichen haben. Vor einem halben Jahr habe das Internet nur positiv über „Sadomasochismus“ gedacht, inzwischen ist es leicht negativer geworden, hingegen wurde „BDSM“ vom Internet auch vor einem halben Jahr sehr zwiespältig gesehen, mit einer Tendenz ins Negative, nun jedoch im Vergleich etwas positiver. Sieht doch eigentlich gar nicht so schlecht aus – aber was sagt uns das eigentlich?

Auf den ersten Blick mag verwundern, dass die Ergebnisse derart unterschiedlich ausfallen, wo doch „BDSM“ und „Sadomasochismus“ häufig nahezu synonym verwendet werden. Ein Erklärungsansatz ist, dass vermeidliche Synonyme häufig in verschiedenen Kontexten bzw. von verschiedenen sozialen Gruppen verwendet werden. So ist szeneintern „BDSM“ verbreiteter als „Sadomasochismus“, welches ich eher mit Berichterstattungen für ein Nicht-BDSMler Publikum verbinde.

Natürlich geben diese Ergebnisse nicht wider, was „das Internet denkt“, sondern die Erwähnungen der Suchbegriffe in Kombination mit bestimmten, uns leider  unbekannten Suchworten die auf einen eher positiven oder negativen Kontext schließen lassen: „basically it searches based on associative (so far just English) sentences. The given search term is used in these sentences which are then sent off to the various search engines, counting the amount of results returned.“ (Whatdoestheinternetthink – How it works) Und natürlich können sie uns nicht sagen, wie genau der Algorithmus funktioniert, welche assoziativen Wörter es sind usw.

Diese fehlende Transparenz hat zur Folge, dass die Ergebnisse für uns leider keine Bedeutung haben. Den Grund dafür zeigen die zahlreichen Fragen, die unbeantwortet bleiben:

  • Im April war Sadomasochismus rein positiv konnotiert – stimmt das Ergebnis, oder liegt es einfach an unpassenden „assoziativen Suchbegriffen“, oder am Betastatus der Suchmaschine? Ist die erfasste Datenmenge vielleicht zu gering um repräsentativ zu sein? 100% sind zu schön um statistisch wahrscheinlich zu sein.
  • Warum haben sich für den Suchbegriff „BDSM“ die absoluten Ergebnisse in dem halben Jahr verringert? Im April waren es noch 1500 Hits- im November jedoch nur 1200 Hits? Als Laie würde ich annehmen, dass sich bei der Verwendung des selben Suchalgorithmus die Ergebnisse im Internet eher Vergrößern als Verkleinern.
  • Sind die Änderungen im letzten halben Jahr  wirklich auf Änderungen in den Inhalten des Netzes zurückzuführen, oder aber auf Unterschiede im Algorithmus bzw. der Suchbegriffe? Die letzte Änderung war im Juli 2012- also mitten zwischen den beiden Erhebungen. Leider wird darüber keine Information gegeben.
  •  In welchen Kontexten sind die Suchergebnisse einzuordnen? Klar kann man bei einem derart großen Korpus kaum alle Ergebnisse manuell untersuchen- jedoch wäre ein Blick in die Kontexte hilfreich, um nähere Informationen über die Suchart und die Treffsicherheit zu erhalten
  • Eine „Keyword in Kontext“ Funktion würde außerdem Aufschluss erlauben auf die Unterschiedliche Verwendung der vermeidlichen Synonyme. So könnten Erklärungen für die Unterschiede der Ergebnisse für „BDSM“ und „Sadomasochismus“ gefunden werden.

Als BDSMler frage ich mich außerdem, ob eine derartige Suche überhaupt für ein Thema wie BDSM geeignet ist. In Unterhaltungen über BDSM tauchen Begriffe auf, die gemeinhin kaum positiv konnotiert sind- von den BDSMlern jedoch in völlig anders besetzten Kontexten verwendet werden. Ironie oder andere Konnotationen lassen sich schwer erfassen.

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