Von Jungsmädchen und Mädchenjungs- Transvestie und Crossdressing in Filmen

Männer in Frauenrollen waren im Theater zu Shakespears Zeiten, dem sogenannten Elisabethanischen Theater, die Norm. Eine Frau auf der Bühne: undenkbar. Inzwischen haben Frauen ihren Platz auf der Bühne und im Film längst eingenommen. Und dennoch sieht man gelegentlich einen Mann im Film in Frauenkleider schlüpfen – und umgekehrt natürlich auch Frauen in Männerkleidung. Denn offensichtlich reizt das Motiv des Crossdressings, des Tragens der Kleidung des anderen Geschlechts, die Fernsehwelt mehr und vielseitiger als man zunächst annehmen möchte.
Auch bei Shakespears Stücken ist das Tragen der Kleider des anderen Geschlechts bereits mehr als nur eine Bühnentradition. Im Gegenteil: Shakespeare überspitzte in dem Drama „Was ihr Wollt“ das Motiv nahezu: Die weibliche Figur Viola, von einem Mann gespielt, kommt als Mann verkleidet zum Hofe Herzog Orsinos. Zu Shakespeares Lebzeiten also ein Mann, der eine Frau spielt, die einen Mann spielt.

Auch in der Literatur ist das Tragen der Kleidung des anderen Geschlechts bereits vor den Traditionen des Elisabethanischen Theaters zu finden: Man denke an Herakles, der als Sklave und Ehemann Omphales Frauenkleider trug und „Frauenarbeiten“ verrichtete, wohingegen Omphale sein legendäres Löwenfell und die Holzkeule trug.

Auch heute wird das Thema viel behandelt, und hat vielleicht noch an Komplexität gewonnen. Geschlechtsidentität, Travestie und Crossdressing: aus unterschiedlichen Gründen sehen wir mal einen Mann als Frau, mal eine Frau als Mann, und die Grenzen beginnen zu verschwimmen.
Ich habe das Gefühl, dass Geschlechtsidentität und –angleichung wird dabei eher in Dramen behandelt wird, Crossdressing und Travestie eher in Komödien. Charakteristisch ist, dass in derartigen Komödien zwar mit Gendergrenzen gespielt, jedoch meist nicht ernsthaft an ihnen geruckelt wird. Victoria Flanagan untersuchte Crossdressing in Kinder- und Jugendmedien und kam zu dem Ergebnis, dass das biologische Geschlecht des Protagonisten entscheidend für den Umgang mit den Gendergrenzen sei. Weibliche Protagonisten würden mit der männlichen Kleidung die Möglichkeit ergreifen, das patriarchische Gefüge in Frage zu stellen, männliche Protagonisten würden es durch das Crossdressing im Gegenteil stabilisieren.
Eine interessante These, die ich gerne diskutieren würde. Dafür stelle ich im Folgenden erst einmal eine Liste von Filmen zusammen, die das Thema behandeln, und in vier Artikeln verschiedene Fragestellungen zu den Filmen behandeln:

0. Filmliste
Eine wachsende Liste, die als Grundlage für die weiteren Untersuchungen genommen wird. Mit Links zu Trailern. Zusammenfassung in Planung.
1. Motivation
Warum schlüpfen die Charaktere überhaupt in die Kleider des anderen Geschlechts?
2. Wo die Liebe hinfällt….
Welche sexuelle Orientierung wird im Film mit dem Crossdressing verbunden? Welche Plotmuster lassen sich erkennen? Oder kommen die Filme gänzlich ohne romantische/sexuelle Themen aus?
3. Der Weg zum Happy End
Nach welchen Mustern wird die Situation aufgelöst?
4. Crossdressing und Gender
Wie gehen die Filme mit dem Thema Gender um?

Ich bin wie gesagt keine Sexualwissenschaftlerin, sondern einfach  eine junge Frau, die sich privat für das Motiv – stellt euch also weniger auf eine wissenschaftlich fundierte Behandlung des Themas ein, als auf eine Zusammenfassung meiner Gedanken 🙂

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