Filmkritik: (Not) Swinging with the Finkels

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Eine romantische Komödie, die Swingen thematisiert? Gut, heute braucht die Filmindustrie immer neue Themen. Aber wenn man bei einem Hollywoodstreifen ein Loblied auf ein promiskes Liebesleben erwartet, kann nur enttäuscht werden. Wird man auch. Denn in „Swinging with the Finkels“ geht es nicht ums Swingen. Es geht um eine stereotype Beziehung, die bereits zu Beginn des Films eingeschlafen ist, nach dem typischen Spannungsmuster eskaliert und am Ende, nach dem Beheben einiger Kommunikationsmängel, wieder glücklich ist. Nur, dass die Eskalation eben ausnahmsweise mal durchs Swingen verursacht wird. Das verspricht jedenfalls der Trailer.

Aber von vorne: Alvin und Ellie sind seit 9 Jahren ein Paar. Ihnen geht es, wie es einem in Ehe nun mal zu gehen hat: im Bett herrscht tote Hose. Da hilft es auch nicht, dass sie trotz anfänglicher Prüderie das Masturbieren mit einer Gurke probiert. Kein Wunder, dass dieser Versuch das Sexleben nicht wiederbelebt, wenn ein Film es sich nach „Nicht noch ein Teenie-Film“ noch traut, die (Groß)eltern just in dem Moment das Zimmer betreten zu lassen, in dem der Dildo(ersatz) in großem Bogen zwischen ihren Beinen herausschießt. Wenn Rollenspiele im Feuerwehranzug dann auch nicht mehr helfen, hat man zum Glück ja einen Klischee schwulen besten Designerfreund, der einem „Tauschies“ vorschlägt- so heißt Swingen auf schwul. Weil alle Stricke zu reißen scheinen, denkt Ellie ernsthaft darüber nach, ihre Ehe mit solchen „Tauschies“ zu retten.
Alvin quatsch indes mit seinem besten Freund über die Kirschen in Nachbars Garten, und möchte mal eine Pflaume probieren statt Jahrein- Jahraus immer nur Bananen zu vögeln essen. Na dann schnell einmal ein paar Klischee-Swingerpärchen aufs Sofa eingeladen: Das ältere FKK-Pärchen, die Domina in Lack und Leder mit ihrem übergewichtigen Hündchen das bestraft werden muss, die voluminöse dominante Dame mit ihrem schlanken Freund, irgendein Fetisch der als abstoßend dargestellt werden kann, und… das Pärchen, das auch gerne Jaffa Kekse isst. Perfekt! Let’s swing!


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Was nun folgt ist aber einfach nur peinlich. Klar, so ein Treffen kann zu Beginn ein wenig angespannt sein. Gerade, wenn es für alle Beteiligten das Erste Mal™ ist. Und erst recht, wenn eigentlich keine wirkliche Spannung zwischen den Pärchen herrscht. Dennoch ziehen Ellie und Alvin sich getrennt mit den neuen Partnern in separate Schlafzimmer zurück. Was dort geschieht? Darüber legt man erst einmal den Mantel des Schweigens.

Morgens kommt der fremde Er dann natürlich ins Bad, während man auf dem Topf sitzt und leiht sich mal eben die Zahnbürste aus. Und schlägt einen Ausflug ans andere Ufer vor: „Nicht, dass ich schwul bin. Natürlich nicht! Aber wenn dus mal ausprobieren willst…“ Natürlich nicht! Und das überrascht mich nicht. Eher würde der Film die beiden Mädels (die sich untereinander eh viel besser verstehen als mit den Männern) etwas miteinander anfangen lassen. Kann man dem Zuschauer ja auch besser zumuten. Aber schaut euch noch einmal den Trailer an: lässt der nicht eine gewisse Exerimentierfreudigkeit erwarten?

Zurück zum Film! Geredet wird über die Erfahrung der letzten Nacht eigentlich gar nicht. Wieso auch, wenn man dadurch ein Missverständnis aufbauen kann, dass den Film halbwegs bis ans Ende trägt? Stattdessen lebt man sich noch weiter auseinander. Bis Ellie an dem Unverständnis ihres Mannes für ihre Arbeit die Fassung verliert. Ihr steht ein Durchbruch in der Karriere bevor, eine große Modenshow, aber er sieht nicht ein, warum er für solche Frauendinge Interesse zeigen soll.

So kann man jetzt noch einmal demonstrieren, wie es sich als rausgeworfener Mann lebt. Alvin zieht in einer Männer-Lotterwohnung mit einem Kumpel zusammen, der ebenfalls gerade in einer Beziehungskrise steckt. Wenig verwunderlich, hat er schließlich seine Frau betrogen. Aber was passiert mit Leuten, die Seitensprünge haben? Die fangen sich üble Geschlechtskrankheiten ein. Dann steckt einen eine herrische Krankenschwester (die Quotenschwarze) lange Stäbchen in die Harnröhre, sodass man vor Schmerz die ganze Klinik zusammenschreit. Wie gut, dass unsere Protagonisten sich fürs einvernehmliche Swingen entschieden haben, um des Nachbars Kirschen zu testen. Die Krankheiten kriegt man vermutlich nur beim Fremdgehen.
Aber langsam brauchen wir ein Happy End. Versuch 1 der Wiederversöhnung klappt nicht- obwohl Alvin sich doch so selbstlos für Ellie auf ihre Modenschau quält! Versuch 2 ermöglichen die Freunde: Der Betrüger berappelt sich mit seiner Frau schneller als Alvin und Ellie, weil er merkte, wie doll er seine Frau und die Kinder doch liebt. Die beiden schmeißen eine große Silvesterparty, um alle an ihrem Glück teilhaben zu lassen. Aber Alvin kommt nicht, und die arme Ellie steht alleine da. So alleine, dass sie kurz nach Mitternacht heimfährt. Kaum ist sie weg, kommt Alvin aufgrund einer ausgeluschten Weisheit seines Quoteninders doch noch auf die Party. Aber keine Sorge: Ellie ist nur weg, damit der Film noch eine letzte (un)dramatische Wendung erhält.

Und endlich reden sie über die Swinging Erfahrung! Alvin: „Ich möchte dir sagen… ich mag Bananen. Und ich möchte die nächsten neun Jahre mit… einer Banane verbringen.“ Dabei hat er weder die Pflaumen noch des Nachbars Kirschen probiert- und Ellie ebensowenig. Beide haben mit dem fremden Partner nämlich rein gar nichts gemacht, aber vom Partner gedacht, dass er diesen Verrat begangen hätte. Na Gott sei Dank, da ist noch einmal alles gut gegangen. Um das Bild perfekt zu machen ist Ellie auch noch schwanger. So können Alvin und Ellie und auch die Zuschauer mit der Erkenntnis schließe, dass „an der ganzen Monogamie-Sache also doch was dran“ ist.

Fazit: dieser Film ist genau einer Sorte Mensch zu empfehlen: den Fans von „Männer kommen vom Mars, Frauen von der Venus“- Anspielungen auf diese Weisheiten inklusive. Ein Prosecco-Frauenabende-Liebesfilm: Leicht zu verdauen, allen Erwartungen entsprechend mit einem wenig Herzschmerz. Und ohne die Sorge, seine Lebenseinstellungen hinterfragen zu müssen.

Wem übertriebene Geschlechter-, Berufs- und Nationalitätenklisches, ausgelutschte Handlungsmuster, Teeniefilmhumor und überspannte Prüderie unter dem Deckmantel der Aufgeschlossenheit auf den Keks gehen, rate ich jedoch von diesem Film die Finger zu lassen.

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