[Bones 3×03 ] 3. Das Pony in der Bibel (Booth argumentiert)

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Dies ist Teil 3 der Serie Bones 3×03: A horse named Ed.
Es empfiehlt sich, die Serie chronologisch zu lesen.
[Spoiler alert!]

Booth und Bones Expertengebiete sind räumlich getrennt. Sie dominiert im Jeffersonian und bei Tatorten, er normalerweise bei Ermittlungen und in der Zeugenbefragung. Jeder hat ein Bereich, in dem sein Wort mehr Bedeutung hat. Das Auto ist jedoch der Ort, an dem beide sich auf gleichem Grund begegnen. Hier führen sie, häufig ausgehend von ihren Ermittlungen, hitzige Debatten über ihre Weltanschauungen. Wie gut, dass Booth wie jeder gute amerikanische Autofahrer eigentlich fast nicht auf die Straße gucken muss.

Thema der heutigen Autofahrt ist die Historie von Pony Play. Bones erzählt Booth, dass Pony Play keine moderne Erfindung ist, sondern geschichtlich verankert ist. Booth reagiert wie folgt:


Booth: „When you turn someone into an object of sexual pleasure it’s wrong“
Bones: „How do you know?“
Booth: „It says in the bible“
Bones: „Does not“
Booth: „Then it got left out by mistake“
Bones: „We are all hard wired differently. If someone needs to shout „ giddy up “ to get arousal, what’s wrong with that?“
Booth: „If Ed had lived like a man, he hadn’t died like a horse. That’s all.“

Die Argumentation ist wirklich herausragend. Aber gliedern wir es einmal ein wenig auf. Booth beginnt mit dem Vorurteil, das Bones eigentlich bereits widerlegt hat:
Pony Play = Objektifizierung = schlecht

Bones dreht den Strick hier um. Nun fragt sie ihn, wie er zu diesem Urteil kommt. Gute Frage! Nun wäre es an Booth, seine Meinung zu erklären. Was nun folgt ist jedoch eine Farce: Ponyplay ist böse, weil die Bibel das sagt… soll das ein ernstgemeintes Argument sein? Vor allem das darauffolgende „Then it got left out by mistake“ macht auf mich einen sehr verstockten Eindruck. Booth verweigert einfach jedes Hinterfragen seiner Einstellungen. Die Inhalte der Bibel- die sich garantiert nicht mit Pony Play und Objektifizierung von Sexualpartnern außeinandersetzt- interessieren ihn eigentlich nicht wirklich, das Argument ist eine leere Floskel, und das offenbart er damit, dass es ihm eigentlich egal ist ob seine Worte nun fundiert sind oder nicht. Tja, wenns nicht drin steht hätte es drin stehen sollen. Er bringt kein wirkliches Argument, und das ist schade. Bones, so unsauber sie auch argumentiert, hat eindeutig die stärkere Stimme in dieser Folge. Das wäre seine Chance gewesen, die Vorurteile entweder zu untermauern oder zu hinterfragen. Er tut aber weder das eine noch das andere.

So ist es wieder an Bones, dem entgegenzusteuern: sie argumentiert damit, dass Synapsen zu einem bestimmten Anteil immer individuell sind, und fragt noch einmal, was er eigentlich so tragisch daran findet.
Der nun folgende Teil von Booths Argumentation schlägt dem Fass wirklich den Boden aus.

Klar, die Umstände von Eds Tod sind direkt verknüpft mit seiner Lebensweise, ohne die er nicht auf diese Art verstorben wäre. Was Booth hier jedoch tut, ist eine Schuldzuweisung. Eds Tod ist offensichtlich sein eigenes Verschulden, oder? Nein. Ed ist das Opfer eines Verbrechens geworden. Dieses distanzierte Schulterzucken, das Opfer selbst sei Schuld, entlastet den Täter und mindert die Tat. Es ist und bleibt aber ein Mord.

Wäre der Präsident ermordet worden, hätte Booth auch nicht akzeptiert, wenn man gesagt hätte: Er wusste, dass er mit dem Posten ein gefährliches Leben führt, er hatte eben damit zu rechnen. Passiert halt. Hätte er leben wollen, hätte er den Posten eben nicht annehmen sollen. Selbst schuld. Nein, so würde Booth nicht denken. Er ist Patriot, der Präsident ist schützenswert, mehr wert als ein anderer einzelner Mensch. Mehr wert als Ed auf jeden Fall.

Denn diesen wertet er bereits ab, indem er seine Lebensweise „Pferd“ mit Ed als Mann kontrastiert. Ein Pferd ist minderwertiger als ein Mensch, ein Tier. Und jemand, der seine Sexualität als Pferd auslebt ist als Mann nicht ernst zu nehmen. Und auch Bones stimme setzt dem nichts entgegen. Keine Stimme, die dafür spricht, dass jemand, der sich bewusst dafür entscheidet, seine Sexualität auf diese oder jene Weise auszuleben,nicht weniger Mann, Frau oder Mensch ist als jemand, er sich über die Norm identifiziert. Denn die einzelnen Argumentationen sind wenig kohärent, man geht nicht auf die Argumente des Gegners ein, sondern knüpft nur lose Meinung und Gegenmeinung aneinander. Schade.

Bones verhält sich aber immerhin korrekt den Leuten gegenüber. Dass Booth diese Menschen jedoch nicht respektiert, zeigt er beständig. Von der ersten bis zur letzten Minute spricht er herablassen von und mit diesen „Freaks“. Die „Freaks“ jedenfalls sind wohlerzogener als er: wiederholt fordern sie ihn direkt auf, ihnen Respekt gegenüber zu zeigen. Dass er diesen direkten Aufforderungen in keiner Weise nachkommt, diese Taten sprechen laut.

Zusammengefasst lässt sich also sagen, dass die Gegenstimme Booth noch weitaus schlechter argumentiert als die Prostimme Bones, keine Argumente bringt, sich sehr herablassend bis verächtlich gegenüber den Ponyplayern zeigt, und auch kein einziges Argument wirklich wahrnimmt. Die Chance, zwei Meinungen zu einem selten behandelten Thema im Dialog zu zeigen wurde oberflächlich als Mittel benutzt, jedoch nicht genutzt.

To be continued….

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