Our Kinky Neighbours

The Wet Spots

The Wet Spots
„Picture a husband and wife team from the golden age of comedy. Now picture them singing sweetly about threesomes and taking it in the ass.“

„Sophisticated Sex Comedy“ nennen sie ihr Programm- und das trifft es in einer Weise, wie es in der deutschen Sprache leider nicht möglich ist. Ich war damals von der ersten Minute an in sie verliebt: die Wet Spots, ein Ehepaar das um die Welt reist, um zu zeigen, dass eine entspannte Haltung zu Sex möglich ist. Dass man über Sex lachen kann, und es ein buntes, vielseitiges Feld ist. Sie sind offen, verrückt und ursympathisch. Vielleicht nicht das konservative Ehepaar, das mit dem Besen an die Decke klopft, wohl aber die kinky Nachbarn von nebenan.


Kinky, und doch wirkt es nicht schmuddelig. Ob sie nun von Analsex singen, vom Fisten, Orgien oder Spanking. Ungehemmt, ja. Aber eben zugleich sophisticated
Sie heißt Cass King und schreibt eine Sex Kolumne, er – John Woods- ist Liedermacher. Seit 2003 sind die beide verheiratet und ziehen gemeinsam mit ihrer Show durch die Welt. Von Canada in die USA, bis nach Europa und Australien, ins Sydney Opera House. Bis sie 2010 die Bourlesque Show „Shine“ auf die Beine stellten und ihre Touren auf Eis legten. Schade.

Über Youtube, und vor allem ihrer DVD kann man jedoch einen Einblick kriegen, was einen in ihrer Show erwartet hätte: Oversexte und doch entspannte, urkomische bis lehrreiche Stücke. Bei denen es schon einmal passieren kann, dass man auf der Bühne landet, um Cass den Hintern zu versohlen. Aber keine Sorge, das kriegt man alles gleich zurück. Das Lied soll nicht umsonst „Smack my Bottom“ heißen. Und die Show ist eben interaktiv, von der ersten Minute an.

Sie beginnt mit einer Streck- und Reckübung- „this one thing at the beginning of every show to get you into the right mood“– die die eigene Hand letztlich auf das Gemächt des Sitznachbarn führt. Oder ans eigene, falls man alleine sitzt, ist ja nicht tragisch. Mutet seltsam an? Ich vermute mal, dass auch das sich in der Atmosphäre der Show im Endeffekt fast normal anfühlt.

Sing your way to better Sex

„Sing your way to better Sex“ist der Titel der DVD, eine Showaufzeichnung, mit dem Ziel “to give you the sex education they never gave you in Highschool”. Indem sie über Dinge reden, über die man eben nicht redet. Von Dingen singt, die ja eigentlich in Liedern nichts zu suchen haben. Schlicht: es ist ein Sexratgeber, verpackt in die Hülle einer Comedyshow.

Cass und John erklären den PC Muskel, und wie man ihn “one two thee- stop the pee”trainieren kann. Sie singen über die endlosen Plateauphasen von Leuten, denen der Herrgott einfach keinen Orgasmus beschert. Vermitteln, dass Oralsex nicht mehr nur für Verurteilte ist, und Analsex auch nicht. Singen über Taxas Anni, eine Sextoyverkäuferin in einem der Fünf Staaten in den USA, in denen es heute noch illegal ist Sexspielzeug zu verkaufen.

Es gibt einen „Masturbation sing along song“, und eine kleine Parodie auf die Verrenkungen von Stellungskatalogen.

Klingt für den einen nach verhältnismäßig normalen, nicht stark tabuisierten Themen, oder für den anderen nach Schweinkram, der in Comedy nichts verloren hat? „Well,“ erzählt Cass in einem Interview „we like to say that the people in the suburbs laugh because they think we’re kidding and the people in the city laugh because they know we’re not.“

Aber letztlich ist die Hautbotschaft sowieso noch viel grundlegender: dass man seine Wünsche und Bedürfnisse artikulieren, mit dem Partner reden soll. Das man Sex nicht völlig ernst und verbissen angehen darf, und sich nicht verunsichern lassen soll, wenn etwas mal nicht funktioniert.

Das „Was“ ist bei den Liedern und Sketchen gelegentlich auch fast nebensächlich bei der liebevollen, neckischen Art, „Wie“ es rübergebracht wird.

Am deutlichsten wird das wohl an dem fast romantischen Stück „Do you take it“, das im Internet wieder und wieder kursiert und definitiv zu den zwei bekanntesten Stücken der Wet Spots gehört- nicht zuletzt wegen des unterhaltsamen Musikvideos.

Liest man Interviews über die Beiden scheint vor allem eine Frage interessant: die nach ihrem Beziehungsstatus. Die beide stehen offen zu ihrer Polyamorie, haben sich nach eigenem Bekunden auch bei der Eheschließung nicht zur Monogamie verpflichtet. Es muss und wird immer betont, dass es sich um ein bisexuelles Polypärchen handelt, das singend und swingend durch die Welt wandert.
Besonders fallen dabei zwei Interviews auf: Eines, für welches sie speziell wegen dieser Lebensweise ausgewählt wurden, über verschiedene Typen von Ehen. Cass und John sind das Beispiel für eine Polyamouröse Ehe. Sehr schön find ich das Resultat: „Every day we choose to be together.” Ein schönes Motto für jedes Paar, ob Poly oder Mono, zusammen oder verheiratet.

In dem zweiten Interview machen die Radiomoderatoren einen Ausruf im Schwedischen Rundfunk, wer Interesse an den beiden hätte könnte sich doch einfach per Mail melden. Cass und John,in voller Showmontur, singen jedenfalls zu genau diesem Thema das fast tragikomische Lied „Somebody else“

Was auch immer die Beiden mit wem auch immer treiben- ihre Musik hat mir in den letzten fünf Jahren große Freude bereitet. Genau solche Nachbarn wünsche ich mir, und so kam ich der dem Wet Spots Schwur gerne nach, denn:

„I promised to go home tonight and make the Wet Spots huge!“

Wer sich dazu gesellen will, kann zum nächsten Weihnachtsfest ja mal statt Weihnachtskarten und Geschenken Wet Spots und Fisting verteilen 🙂 Dieses, das zweit bekannteste Lied, wandert Jahr um Jahr zur Weihnachtszeit durch die Foren. Und auch, wenn Weihnachten grad erst vorbei ist, möchte ich mit diesem Lied und der zuschlagenden Tür diesen Blogbeitrag beenden:

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