[Bones 3×03 ] 2. Das Pony in Uns (Bones argumentiert)

Bones Logo

Dies ist Teil 2 der Serie Bones 3×03: A horse named Ed.
Es empfiehlt sich, die Serie chronologisch zu lesen.
[Spoiler alert!]

Bones tritt wie erwähnt als Spezialistin in diesem Sachgebiet auf, sie bildet die Instanz, die zwischen dem Sachgebiet „Pony Play“ und Booth bzw. dem Rezipienten vermittelt. Ihre Erklärungen für das Sachgebiet sind jedoch recht ambivalent. Darum möchte ich in diesem Kapitel die Höhen und Tiefen ihrer Argumentation darlegen.

Zunächst einmal ein offentsichtliches Tief:
Bones: „Sexual Fetishes are all about role playes. She probably even didn’t know his real name.“

Hier stolpert Bones über ihre eigene unreine Klassifizierung- dabei ist sie doch so eine saubere Wissenschaftlerin! Mal ist Ponyplay rein Fetisch, frei von Emotionen, mal gehört es zum Sadomasochimus dazu. Jetzt plötzlich sind Fetische fest mit Rollenspiel verbunden? Ich dachte, es gäbe auch reine Masturbationsfetische? Ein klein wenig unproblematischer wäre es, wenn sie an dieser Stelle nicht über Fetische im Allgemeinen gesprochen hätte, sondern über den Spezifischen, um den es ihr hier geht, Ponyplay, dem die Rollenspielkomponente nun nicht abzustreiten ist. Auch sei es „all about“ role plays? Ich bin mir ziemlich sicher, dass auch andere Aspekte als die Rollenspielkomponente beim Ponyplay erotisiert werden.
Außerdem weiß Bones nichts über Ed, kann aber die Annahme fällen, dass seine Besitzerin seinen Namen nicht kennt? Das kann nur daran liegen, dass es ein verbreitetes Vorgehen ist, den Menschen im Spielpartner auszublenden. Genauso kenn ich die BDSMler! Klar, wenn man eine Domina bezahlt, anonym, wie es das Stereotyp verlangt, da versteh ich die Annahme, dass sie seinen Namen nicht kannte, aber Ed und seine Besitzerin kannten sich länger, trafen sich häufig, und werden sicher auch über ihre rein menschliche Seite miteinander in Kontakt getreten sein. Sicher gibt es auch BDSMler, die entsprechend vorgehen, aber wir reden hier davon, ein allgemeines Bild zu vermitteln.
Auf das das Fetischkonstrukt und die Trennung von SM/Fetisch und Gefühlen werde ich später noch zurückkommen.

Bones macht also allgemeingültige Aussagen für schwammige Begriffe und bedient sich dabei wenig wissenschaftlich anmutender Vorgehensweisen als schnöder Klischees.
Seltsam mutet das vor allem an, wenn man sich die folgende Argumentation durchliest:

Bones: We’re all involved in roleplaying in sexual situations.
Booth: Oh, not me! I’m totally normal here!
Bones: Booth! Any time you look at a woman and make the judgment that she is beautiful you are objectifying her. And any time I put on lipstick, and nice cloths, I’m objectifying myself. More subtle than what they are doing here, but otherwise it’s the same dynamic.

Die beiden Aussagen von Bones sind meiner Meinung nach nicht kohärent. Dazu müssten Rollenspiel und Objektifizierung gleichzusetzen sein. Zwar stimme ich ihr zu, dass beides vermutlich auch im normalen Sex auftritt, und in diesem Fall beides vorhanden ist, schlüssig argumentiert ist es aber nicht.
Booth vertritt natürlich mal wieder fein den vorurteilsbeladenen Amerikaner, der jeglichen Vorwurf, etwas mit diesen Perversionen zu tun haben zu können, abweist.
Bones hingegen argumentiert hier geschickt. Sie zeigt auf, dass die Objektifizierung, die Booth anprangert, etwas alltägliches ist, etwas normales. Und das an Elementen, mit denen er etwas anfangen könnte: Einer schönen Frau, Lippenstift, schöne Kleidung. Subtiler, wie sie sagt, als hier, aber mit derselben Dynamik.
Damit integriert sie BDSM Elemente in den „normalen Sex“, normalisiert die ganze Situation. Das find ich sehr gelungen. Denn häufig wird, auch von Seiten der BDSMler, diese Trennung gepflegt, denn durch Abgrenzung stärkt man das Gruppengefühl und das Selbstbewusstsein. Ich finde es aber fortschrittlicher zu schauen, wo die verschiedenen verwendeten Elemente verankert sind, und wie mit ihnen umgegangen wird. Verstärkt, gespielt… Denn es ist kaum so, als hätte BDSM das Rad „Sex“ neu erfunden. Nein, es arbeitet mit Bedürfnissen (auch jenseits von Sex!) und Vorgehensweisen, die bereits in uns verankert sind. In uns allen, nicht nur der Subgruppe. Trennt man nicht künstlich, sondern schaut wie hier nach Gemeinsamkeiten, so ist das die Möglichkeit Vorurteile abzubauen und einen entspannteren Blick auf die Sachlage zu ermöglichen, denn plötzlich ist es etwas, was auch Berührungspunkte mit der eigenen Lebenswirklichkeit hat.

Booth versteht das jedoch nicht, und macht die Argumentation kaputt, indem er im Folgenden die gemeinsame Schnittmenge von Lippenstift und Pony Play nicht akzeptiert.

Bones gibt übrigens zu, dass sie ihr Wissen nicht nur aus ihren kulturanthropologischen Studien bezieht, sondern dass sie selbst gelegentlich im Bett in Rollenspiele involviert sei. Auch das find ich eine schöne Taktik, harte Grenzen aufzuweichen: sie, die zum Teil für den Rezipienten als Identifikationsfigur dienen kann, identifiziert sich selbst zum Teil mit der Materie, ist nicht alleine externe Expertin, sondern normalisiert das gezeigte.
Insgesamt wirkt die Darstellung in der ganzen Folge auf mich persönlich nämlich arg distanziert. Der Zuschauer erhält keinen liebevollen Einblick in eine Leidenschaft, wie ein höher qualitatives Format es vielleicht ermöglich hätte. Stattdessen ist er nur Voyeur, das gezeigte Sachgebiet Teil eines Verbrechens. Distanz wird auch aufgebaut, weil auch die Protagonisten selbst diese Distanz zum Gezeigten haben. Bones aufgrund ihres sachlichen Charakters, Booth wegen seiner ablehnenden Haltung.

Bones eigene Erfahrungen hätten vielleicht einen Einblick ermöglicht. Jedoch widerspricht das zum Teil ihrem Charakterkonzept, der eben nicht viel Preis gibt, und leider auch der gesamten Konzeption diese Folge, wie besonders das Ende zeigen wird.

Doch schauen wir uns zuerst einmal an, was Booth vorzuweisen hat, um seinen Standpunkt darzulegen: 3. Das Pony in der Bibel- Booth argumentiert

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s